KW 26: Bundeswehr fliegt verletzte Soldaten aus Mali aus, Waffenruhe für Tigray beschlossen, Belarus reagiert mit Gegenmaßnahmen auf EU-Sanktionen

NACHRICHTEN

Bundeswehr fliegt verletzte Soldaten aus Mali aus: In der Nacht zum Sonntag landete in Stuttgart ein Airbus A310 mit in Mali verletzten Bundeswehrsoldaten an Bord. Anschließend wurden sie ins Militärkrankenhaus nach Ulm gebracht. Mehrere Stunden zuvor hatte schon eine Maschine vom Typ A400M drei Schwerverletzte, die liegend transportiert werden mussten, zum Airport Köln/Bonn gebracht. Sie wurden umgehend in das Bundeswehr-Zentralkrankenhaus nach Koblenz verlegt. Nun sind alle zwölf bei dem Anschlag verletzten deutschen „Blauhelme“ zurück in Deutschland. Ihr Zustand sei stabil, schrieb Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer auf Twitter. Am Freitagmorgen hatte ein Selbstmordattentäter 180 Kilometer nordöstlich der Stadt Gao an einer stehenden Patrouille der UN-Mission Minusma eine Autobombe gezündet. Neben den zwölf Bundeswehrsoldaten wurde zudem ein Belgier verletzt. Die Soldaten sicherten nach UN-Angaben den Konvoi eines malischen Bataillons.
dw.com, tagesschau.de

Waffenruhe für Tigray beschlossen: Bereits Tausende Menschen sind in der umkämpften Region Tigray ums Leben gekommen. Der äthiopische Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed ist wegen seines Vorgehens international stark in der Kritik. Nach Monaten der Gewalt spricht die Regierung in Addis Abeba nun von einer sofortigen Feuerpause in der umkämpften Nordregion. Die Armee soll auf dem Rückzug vor den vorrückenden Rebellen der Volksbefreiungsfront sein. Der BBC gingen Informationen zu, denen zufolge Menschen in Tigrays Hauptstadt Mekelle bereits den Abzug der Regierungstruppen feierten. Eine unabhängige Überprüfung der Berichte war jedoch noch nicht möglich. Die Feuerpause solle es Bauern in Tigray ermöglichen, ihre Felder zu bestellen, und humanitären Organisationen erlauben, ungehindert in Tigray zu arbeiten, gab die äthiopische Regierung an. Die Waffenruhe soll vorerst bis zum Ende der Erntesaison gelten.
sueddeutsche.de, tagesschau.de

Belarus reagiert mit Gegenmaßnahmen auf EU-Sanktionen: Die Europäische Union hatte wegen der erzwungenen Landung eines Flugzeugs Sanktionen gegen Belarus erlassen. Als Reaktion auf die EU-Sanktionen will Belarus im Kampf gegen illegale Migration künftig nicht mehr mit der EU zusammenarbeiten. Außerdem kündigte das Außenministerium in Minsk Einreiseverbote für EU-Vertretende an. Nach den am Donnerstag von der EU, den USA, Kanada und Großbritannien beschlossenen wirtschaftlichen und politischen Sanktionen hatte der autoritäre Staatschef Alexander Lukaschenko dies bereits angedroht. Zudem will Belarus seine Beteiligung an der Östlichen Partnerschaft aussetzen, einem EU-Programm, das die Kooperation zwischen etlichen Ex-Sowjetstaaten stärken soll. Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja kritisierte den Rückzug aus der Initiative scharf. Ihr Team werde weiterhin mit der EU zusammenarbeiten, sagte sie. Die Östliche Partnerschaft sei ein Programm, das dem Land viele Chancen eröffne, hieß es in einer Erklärung Tichanowskajas.
zeit.de, n-tv.de

Mindestens 40 Rebellen im Jemen getötet: Im Norden des Jemens liefern sich die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen schwere Gefechte mit Regierungstruppen. Nach offiziellen Angaben sind dabei nun mindestens 40 Huthis getötet worden. In der ölreichen Provinz gibt es seit Februar schwere Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen, die an der Seite eines von Saudi-Arabien angeführten Militärbündnisses kämpfen. Die Huthis beherrschen weite Teile des Nord-Jemen und die Hauptstadt Sanaa. Sie wollen mit ihrer seit Monaten laufenden Offensive auf Marib eine strategisch wichtige Stadt einnehmen, von wo ein großer Teil der Energieressourcen des Landes kontrolliert wird. Es ist die letzte Gegend im Norden, die noch von Regierungstruppen beherrscht wird. Das ohnehin schon stark verarmte Land wurde durch den Konflikt in die schlimmste humanitäre Krise weltweit gestürzt.
tagesschau.de, spiegel.de

Diplomatie – Der Außenminister Israels sagt USA neuen Umgang zu: Nach der Ablösung von Langzeit-Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat der neue israelische Außenminister Jair Lapid den USA einen anderen Umgang in Aussicht gestellt. In den letzten Jahren hätte man Fehler gemacht und das überparteiliche Ansehen Israels hätte Schaden genommen, sagte Lapid am Sonntag bei einem Treffen mit US-Außenminister Antony Blinken in Rom. Zudem erklärte Lapid, er habe mit hochrangigen US-Politikern von Demokraten und Republikanern gesprochen und daran erinnert, dass Israel Amerikas grundlegende Werte teile. Es werde Meinungsverschiedenheiten geben, sagte er. Dabei gehe es aber nicht um grundlegende Ziele, sondern um den Weg dahin. Dazu nannte er etwa ernste Bedenken mit Blick auf die Verhandlungen über eine Rückkehr der USA zum Atomabkommen mit dem Iran. Meinungsverschiedenheiten sollten aber künftig im direkten Austausch und nicht öffentlich besprochen werden. US-Präsident Joe Biden empfängt den scheidenden israelischen Präsidenten Reuven Rivlin am Montag im Weißen Haus. Rivlin, der seit 2014 Präsident war, verlässt das Amt am 9. Juli.
zeit.de, spiegel.de

Rüstungsindustrie: Rheinmetall bekommt Großauftrag von Bundeswehr zeit.de
Äthiopien: Rebellen wollen trotz Waffenruhe weiterkämpfen deutschlandfunk.de
Nahost: Hamas trainiert Jugendliche in militärischen Sommerlagern rnd.de
Verteidigung: Corona-Amtshilfe der Bundeswehr in Hamburg endet sueddeutsche.de
Kooperation: Deutschland und Slowenien wollen besser zusammenarbeiten deutschlandfunk.de

ZAHL DER WOCHE

Um rund 40 Prozent wurde nun die indische Truppenpräsenz an der Grenze zu China aufgestockt.
nzz.ch

HINTERGRUND

Verdacht auf islamistischen Hintergrund bei Attacke von Würzburg: Laut dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann mehren sich entsprechende Hinweise, das hinter dem Messerangriff von Würzburg ein islamistisches Motiv steckt. Der Mann hatte vergangenen Freitag drei Frauen erstochen und sieben Menschen verletzt, fünf davon lebensgefährlich. Er befindet sich derzeit in Untersuchungshaft, unklar ist, inwieweit die Psyche des wiederholt psychisch auffälligen Mannes eine Rolle spielte. Zuletzt verdichteten sich die Anzeichen auf eine islamistische Gesinnung bei dem Messerangreifer von Würzburg. Man habe bei der Durchsuchung der Unterkunft des 24-jährigen Somaliers einiges gefunden, was auf islamistisches Propagandamaterial hinweisen könnte. Man müsse jedoch die weiteren Ermittlungen abwarten, vor allem die Auswertung zweier Handys, hieß es. Im Hinblick auf den Angriff hat der Bund der deutschen Kriminalbeamten (BDK) einen Ausbau der psychiatrischen Behandlungskapazitäten gefordert. Der Bundeschef der Polizeigewerkschaft, Sebastian Fiedler, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, dass knapp ein Drittel der allein handelnden Attentäter der Jahre 2000 bis 2015 psychisch krank gewesen sei. Der Fachkräftemangel in den Psychiatrien müsse von der Regierung dringend gelöst werden, auch der mutmaßliche Täter befand sich wegen psychischer Auffälligkeiten bereits zweimal zuvor in einer Fachklinik.
spiegel.de, zeit.de

USA und Nato ziehen ab – die Taliban kommen zurück: Der Westen zieht seine Truppen aus Afghanistan ab und verloren hat vor allem das afghanische Volk. Joe Biden wird Ghani die fortgesetzte Unterstützung Amerikas zusagen, für das Volk der Afghanen, einschließlich der Frauen, Mädchen und Minderheiten, wie es in einem Statement des Weißen Hauses heißt. Die radikal-islamischen Taliban haben ihre Angriffe verstärkt und mehr als 50 der 370 Bezirke des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Scheinbar warten sie auf einen endgültigen Abzug der westlichen Streitkräfte, um danach in die Städte einzumarschieren. Die US-Regierung und die Nato halten am endgültigen Termin des Abzugs, dem 11. September 2021 fest. Der Krieg kostete eine Billion Dollar, knapp 50.000 afghanische Zivilisten kamen ums Leben, die Regierung in Kabul kontrolliert nicht mal die Hälfte des Landes, vor allem die Opiumproduktion floriert, die Verhandlungen in Doha mit den Taliban sind in einer Sackgasse, Al Qaida hat sich in anderen Ländern neu organisiert und operiert vermehrt dezentral. Nie zuvor waren USA, Nato und der vereinte „Westen“ in einen Krieg gezogen und kläglich mit ihren Zielen gescheitert. Mit dem Abzug der amerikanischen Truppen bis spätestens 11. September 2021 liegt Joe Biden auf der von Obama eingeleiteten und von Donald Trump weitergeführten Linie: Als Weltpolizist haben die USA ausgedient.
tagesspiegel.de

Konflikt und Trauma – Kinder in Kamerun sind vom Krieg gezeichnet: Seit dem Jahr 2016 herrschen in den anglophonen Regionen Kameruns bürgerkriegsähnliche Zustände, jedoch bleibt vieles im Dunkeln. Eine Serie von Zeichnungen von Kindern zeigt, wie sehr die Gewalt den Alltag beherrscht. Die Idee, dass Kinder in Konfliktgebieten mithilfe von Zeichnungen ihr Trauma verarbeiten können, entstand spontan. Die britische Menschenrechtsaktivistin Rebecca Tinsley arbeitete Mitte der 2000er-Jahre im Tschad mit Flüchtlingen aus der sudanesischen Region Darfur, Schauplatz eines bewaffneten Konflikts. Sie hätten zu den Kindern gesagt, sie sollen ein Bild über ihr Leben malen und die Kinder hätten Waffen, Gewehre und gepanzerte Fahrzeuge gezeichnet. Die Sozialarbeiterin Tatiana Bie aus Kumba im Südwesten Kameruns berichtete von einem Einsatz für die kamerunische Nichtregierungsorganisation Reach Out, die mit Konfliktopfern in der anglophonen Region des Landes arbeitet. In einem Waisenhaus in der Nähe von Kumba schien es eine einfache Aufgabe für die Kinder zu sein, Zeichnungen über ihr Leben anzufertigen. In der Region herrscht Seit 2016 Bürgerkrieg und Kinder dürfen nicht mehr zur Schule gehen, weil sich kamerunische Regierungstruppen und Milizen bekämpfen. Das Ergebnis der Zeichnungen war eine verstörende und detaillierte Sammlung, die die Präsenz von Gewalt im Leben der Kinder verdeutlicht. Für Sozialarbeiter vor Ort wie Tatiana Bie ist die Ausübung ihrer Arbeit mit einem hohen Risiko verbunden, aber sie und ihre Kollegen seien bereit, das auf sich zu nehmen, sagt Bie. Denn sie wollen den Kindern geschützte Orte bieten, wo sie ihr Trauma verarbeiten können.
dw.com

ZITAT

„Wir haben in Mali staatliche Strukturen, die schwächer werden, und wir haben terroristische Strukturen, die stärker geworden sind. Aber wenn wir und die anderen Nationen aus der Region rausgehen, wer sorgt dann für Stabilität?“
sagte Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer über den Einsatz der Bundeswehr in Mali.
n-tv.de

SICHER?

8 Meter hohes Riesen-Nashorn in China ausgegraben: Im Nordwesten von China wurde das Fossil eines riesigen Nashorns ausgegraben, das vor rund 26,5 Millionen Jahren lebte. Es handelt sich um eine bisher unbekannte Spezies, die den wissenschaftlichen Namen Paraceratherium linxiaense erhielt. Die Körpermasse des ausgestorbenen Rhinos sind sehr beeindruckend, denn das Tier erreichte eine Schulterhöhe von 5 Metern und die Scheitelhöhe des Kopfs lag sogar bei 7 Metern. Der Gigant soll laut der Studie, die im Fachmagazin „Communications Biology“ erschienen ist, 24 Tonnen gewogen haben, das ist etwa so viel wie vier große afrikanische Elefanten.
watson.ch

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