KW 27: Tadschikistan mobilisiert Reservisten für Grenzschutz gegen den Taliban, Russischer Präsident Putin will Russland vor westlichem Einfluss schützen, UN-Kinderhilfswerk meldet in Syrien schlimmsten Gewaltausbruch seit einem Jahr

NACHRICHTEN

Tadschikistan mobilisiert Reservisten für Grenzschutz gegen den Taliban: 1037 afghanische Soldaten sind am Montag vor dem Taliban in das benachbarte Tadschikistan geflohen. Der tadschikische Präsident Emomali Rachmon hat nun die Reservierung von 20.000 Reservisten angeordnet, um die Grenze zwischen Tadschikistan und Afghanistan stärker schützen zu können. Die Lage besprach Rachmon mit Verbündeten der Region, zu denen auch Russlands Präsident Wladimir Putin zählt. Dieser sicherte ihm, falls nötig, die Unterstützung des Kremls bei der Grenzsicherung zu. Der Nationale Sicherheitsberater der afghanischen Regierung, Hamdullah Mohib, kündige nach der Flucht der afghanischen Soldaten eine Gegenoffensive an. Die Taliban haben ihren Vormarsch seit dem Abzug der internationalen Truppen verstärkt.
zeit.de, spiegel.de, faz.net

Russischer Präsident Putin will Russland vor westlichem Einfluss schützen: Zum Schutz vor dem Einfluss der USA und anderer westlicher Länder hat der russische Präsident Wladimir Putin eine 44-Seitige Strategie für die nationale Sicherheit seines Landes unterzeichnet. Das Papier verankert immer wieder auch die von Putin vertretene These, dass das Modell der liberalen Demokratie in der Krise sei. In dem Strategiepapier sehen Kritiker den Versuch einer autoritären Bevormundung und zudem auch einen Schritt zur Abkehr der Werte westlicher Demokratien. Den westlichen Ländern wird zudem Propaganda in Bezug auf Freizügigkeit, Sittenlosigkeit und Egoismus vorgeworfen. Weiterhin werden die Sanktionen von USA und EU gegen Russland ebenso wie die Annäherung der Nato an die Grenzen des Landes kritisiert. Russland plant deshalb eine stärkere Zuwendung zu China und Indien.
rnd.de, deutschlandfunk.de, welt.de

UN-Kinderhilfswerk meldet in Syrien schlimmsten Gewaltausbruch seit einem Jahr: Laut westlichen Beobachtern sind in Syrien mehrere Zivilistinnen und Zivilisten ums Leben gekommen. Viele der Opfer waren Kinder und deren Familien.  In dem Bürgerkriegsland gilt offiziell eine Waffenruhe. Berichten der Vereinten Nationen zufolge gab es im vergangenen Jahr fast 24.000 Verstöße gegen die Kinderrechte, die Zahl von Entführungen und Vergewaltigungen habe zugenommen. Zudem habe laut einem UNICEF-Bericht die Kinderarbeit zum erstem Mal seit zwei Jahrzehnten wieder zugenommen.
zeit.de, welt.de, tagesschau.de (Kinderrechte)

Unruhen erschüttern Eswatini: In Eswatini, dem früheren Swasiland und zugleich Afrikas letzter absoluter Monarchie, gibt es seit Wochen Proteste gegen den König Mswati III. Die Stimmung des Landes ist bereits seit mehreren Wochen angespannt. In der vergangenen Woche richteten zahlreiche Menschen ihre Zerstörungswut gegen
Privateigentum mit Verbindungen zum König. Die Sicherheitskräfte reagierten darauf mit tödlicher Gewalt. Im Versuch, die Spannungen zu deeskalieren, wurden Schulen und Geschäfte geschlossen, das Internet abgestellt und eine Ausgangssperre verhängt. Die Regierungskritiker fordern ein Abdanken des Königs zugunsten einer demokratisch gewählten Regierung.
faz.net, tagesschau.de, taz.de

Hacker-Gruppe „REvil“ fordert 70 Millionen US-Dollar Lösegeld: Die weltweite Cyberattacke auf die US-Firma Kaseya hat in einem Domino-Effekt Tausende Firmen lahmgelegt. Die Gruppe „REvil“, die vermutlich hinter dem Angriff steckt, fordert ein Lösegeld in Höhe von 70 Millionen US-Dollar, welches in der Kryptowährung Bitcoin ausgezahlt werden soll. 800 bis 1.500 Kunden der IT-Firma sollen von dem Angriff betroffen sein – darunter auch zwei deutsche Unternehmen. Bisher haben sich Betroffene aus insgesamt 17 Ländern gemeldet. Am stärksten waren die Auswirkungen in Schweden und Neuseeland zu spüren. Dort mussten hunderte Supermärkte schließen, da ihre Kassen nicht funktionierten und auch Schulen und Kindergärten waren betroffen.
tagesschau.de, spiegel.de, zeit.de

Nach Abzug: Afghanische Bundeswehrhelfer dürfen zunächst nur befristet in Deutschland bleiben spiegel.de
Myanmar: 25 Tote bei Protesten wegen des 65. Geburtstags des Führers der Militärjunta faz.net
Tigray: 400.000 Menschen laut UN-Sicherheitsrat vom Hungertod bedroht tagesschau.de
Militärübungen: Russische Kampfjets üben zeitgleich zu NATO-Marineübung Angriff auf Schiffe n-tv.de
Mecklenburg-Vorpommern: Generalbundesanwalt ermittelt gegen Verfassungsschutz-Mitarbeiter wegen Weitergabe von Informationen mdr.de

ZAHL DER WOCHE

Die Exportgenehmigungen für Rüstungsgüter sind von Januar bis Juni um 17 Prozent gesunken.
faz.net

HINTERGRUND

Die US-Ukraine Sea Breeze Marineübungen: Die von den Vereinigten Staaten und der Ukraine veranstalteten Sea Breeze-Militärübungen, an denen 32 Nationen teilnehmen, finden im Schwarzen Meer und in den nahe gelegenen Gebieten statt. Dies ist ein zunehmender Reibungspunkt zwischen der NATO und Russland. Diese Spannungen wurden letzten Monat deutlich, als der britische Zerstörer HMS Defender kurzzeitig die Gewässer des Schwarzen Meeres durchquerte, die international als ukrainisch gelten, aber von Russland nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 beansprucht werden. Russische Flugzeuge entdeckten das Schiff. Das russische Verteidigungsministerium sagte, es habe auch Warnschüsse und Bomben abgefeuert, aber Großbritannien bestreitet, dass solche Aktionen stattgefunden haben. Im April kündigte das russische Militär an, bis Oktober drei Abschnitte des Schwarzen Meeres nahe der Krim für ausländische Schiffe zu sperren, was die Ukraine verärgerte. Sea Breeze findet deshalb nun inmitten erhöhter Spannungen statt – und das nicht nur wegen des HMS Defender-Vorfalls. Im März und April hat Russland mindestens 100.000 Soldaten in der Nähe der ukrainischen Grenze stationiert und Panzer und Ausrüstung im ganzen Land transportiert. Moskau nannte es eine Schnellübung in militärischer Bereitschaft. Nach Angaben westlicher und ukrainischer Militärs bleiben viele Truppen nach der Übung in der Region. In seinem jährlichen Marathon-Fragetelefon am Mittwoch vergangener Woche sagte Putin, dass die NATO Übungen wie Sea Breeze einsetzt, um militärische Infrastruktur in der Ukraine einzusetzen, was Russland als direkte Sicherheitsbedrohung ansieht. Putin sieht Russen, Weißrussen und Ukrainer als ein Volk mit russischer Identität und argumentiert, dass die Ukraine von ihren Führern verraten wurde und von Washington unter „externer Regierung“ steht.
washingtonpost.com

Neue Hyperschall-Waffensysteme der Großmächte schaffen zusätzliche Risiken: Die Hyperschall-Waffentechnik gilt als größter Fortschritt in der Raketentechnologie der letzten zehn Jahre. Streitkräfte setzten bis vor kurzem noch auf ballistische Flugkörper und Marschflugkörper, die meist Überschallgeschwindigkeit erreichen. Die Hyperschallwaffen sind jedoch schneller als die herkömmlichen Überschallwaffen und übertreffen zudem die Schallgeschwindigkeit um ein Mehrfaches. Unterscheiden kann man sie in zwei Haupttypen: Hyperschall-Marschflugkörper mit Scramjet-Antrieb und Hyperschall-Gleitflugkörper ohne eigenen Antrieb, die von einer Rakete in die Atmosphäre gebracht werden. Beide Systeme vereinen Geschwindigkeit und Präzision. USA, Russland und China nehmen bei der militärischen Nutzung der Hyperschall-Technologie eine führende Rolle ein und haben bereits ein Wettrüsten in diesem Bereich begonnen. Das Zusammenspiel von Schnelligkeit, Höhe, Manövrierfähigkeit und Präzision macht jedoch weitere Forschungsarbeit erforderlich, da besonders auch die physikalischen Einschränkungen aufgrund des Flugs in niedriger Höhe der Atmosphäre im Hinblick auf Geschwindigkeit und Unsichtbarkeit Fragen aufwerfen.
nzz.ch

Private Sicherheitsfirmen boomen in Afrika: Seit den 1990er Jahren boomen in Afrika Militär- und Sicherheitsfirmen, deren Angebot von der Radarüberwachung über Spionageflüge bis zum Fronteinsatz reicht. Die Streitkräfte zahlreicher Länder werden durch andere Firmen auch logistisch bei der medizinischen Versorgung, in den Küchen und Wäschereien oder beim Nachschub an Lebensmitteln und Munition unterstützt. Auch Länder wie Russland oder die USA stellen Einsatzkräfte zur Verfügung. So zeigen Aufnahmen einer Drohne aus dem Jahr 2017 US-Spezialkräfte und Soldaten der nigrischen Armee, die im westafrikanischen Niger in einen Hinterhalt islamistischer Kämpfer kamen. Dabei starben vier US-Militärs und fünf nigrische Soldaten. Die Soldaten wurden, wie die Drohnenaufnahmen zeigten, von einem zivilen Hubschrauber geborgen, der dem Sicherheitsunternehmen Erickson gehört. Häufig sind die Auftraggeber keine Staaten, sondern private Unternehmen, für die beispielsweise Grundstücke, Ölanlagen oder Bergwerke gesichert werden sollen. Eine Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen bemüht sich schon seit längerer Zeit um eine Konvention, durch die der Einsatz von Militärdienstleistern generell verboten werden könnte. Zudem wurde vor gut zehn Jahren auf Initiative der Schweiz mit dem sogenannten Montreux-Dokument ein internationaler Verhaltenskodex ins Leben gerufen. Dabei sollen sich private Sicherheitsanbieter zertifizieren lassen, sich  zur Einhaltung bestimmter Regeln verpflichten und sich gegebenenfalls einem Beschwerdeverfahren unterwerfen.
dw.com

ZITAT

„Dass dieses gemeinsam abgesprochene Vorgehen auch zu kritischen Stimmen geführt hat, bedaure ich sehr. Im Vordergrund stand jedoch der Wunsch der Truppe nach schneller Heimkehr.“
Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer rechtfertigt sich für die Abwesenheit der Bundesregierung bei der Rückkehr der letzten Soldaten aus Afghanistan.
welt.de

SICHER?

Japanische Forscher entdecken 3000 Jahre alten Haiangriff: Ein im südlichen Japan gefundenes Skelett lieferte mit 790 tiefen Kerben und Löchern mit teils gezackten Rändern den ältesten direkten Beleg für einen Haiangriff auf einen Menschen. Die Indizien deuten entweder auf einen Weißen oder einen Tigerhai als Angreifer hin. Da Haie nur sehr selten Menschen angreifen sind archäologische Zeugnisse wie das vor kurzem gefundene Skelett selten.
spektrum.de

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