KW 33: Taliban nehmen die afghanische Hauptstadt Kabul ein, Amnesty warnt vor brutaler sexueller Gewalt an Frauen im Tigray-Konflikt, Südkorea und USA beginnen jährliche Militärübungen ohne Feldtraining

NACHRICHTEN

Taliban nehmen die afghanische Hauptstadt Kabul ein: Nach dem Abzug der ausländischen Truppen sind die Taliban überraschend schnell vorgerückt und haben nun nahezu alle Provinzhauptstädte eingenommen. Am Sonntag folgte die afghanische Hauptstadt Kabul. Deutsche Politiker rechnen nun nach der faktischen Machtübernahme der Taliban damit, dass hunderttausende Menschen aus dem Land flüchten. Afghanistans Präsident Aschraf Ghani ist Medienberichten zufolge bereits kurz vor der Ankunft der Taliban aus Kabul nach Tadschikistan geflohen. Nach Angaben von Außenminister Heiko Maas kann Deutschland nur rund 180 Menschen aus Kabul ausfliegen. Diese befinden sich bereits am Flughafen der Stadt. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid äußerte sich am Dienstag erstmals nach der Übernahme Kabuls vor der Presse und betonte dabei, einen friedlichen Übergang anzustreben. Den Frauen des Landes sichert er zu, dass sie weiterhin zur Schule und zur Arbeit gehen können, sofern sie die Scharia respektieren. Zudem soll schnellstmöglich eine neue Regierung zusammengestellt sowie neue Gesetze bekannt gegeben werden.
spiegel.de, rnd.de, zeit.de, sueddeutsche.de

Amnesty warnt vor brutaler sexueller Gewalt an Frauen im Tigray-Konflikt: Ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat ergeben, dass beim Konflikt in der äthiopischen Krisenregion Tigray systematische und sexualisierte Gewalt gegen Frauen weit verbreitet ist. Bei der Vorstellung ihres Berichts erklärte die Menschenrechtsorganisation, dass die Frauen Opfer von Vergewaltigungen, Gruppenvergewaltigungen, sexueller Versklavung, Verstümmelung der Genitalien sowie anderen Formen der Folter geworden sind. Zwischen Februar und April dieses Jahres haben Gesundheitseinrichtungen in Tigray 1288 Fälle sexualisierter Gewalt registriert. Nach Angaben der Ärzte ist diese Zahl bedeutend höher als üblich. Laut Amnesty gaben jedoch viele Frauen an, sich nicht in ärztliche Behandlung begeben zu haben, sodass mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen ist.
rnd.de, spiegel.de, dw.com

Südkorea und USA beginnen jährliche Militärübungen ohne Feldtraining: Die Streitkräfte der USA und Südkoreas halten trotz der Drohungen Nordkoreas ihre jährlichen Sommerübungen ab. Am Montag hat die neuntägige Kommandoübung wie geplant begonnen. Am Sonntag hatte Südkoreas Militär jedoch angekündigt, dass die gemeinsame Stabsrahmenübung in diesem Jahr in reduziertem Umfang ohne Feldtraining durchgeführt wird. Kim Yong Chol, der Vizevorsitzende des Zentralkomitees der in Nordkorea herrschenden Arbeiterpartei, hatte zuletzt gedroht, dass sich Südkorea wegen seiner Militärübungen mit den USA einer „ernsten Sicherheitskrise“ ausgesetzt sehen werde.
wiwo.de, handelsblatt.com

Vier Palästinenser bei Antiterror-Operation in Dschenin getötet: Nach palästinischen Angaben sind bei einer israelischen Antiterror-Operation im besetzten Westjordanland vier Männer getötet worden. Die israelische Grenzpolizei hatte am Montag mitgeteilt, dass Sicherheitskräfte in ein Flüchtlingscamp in Dschenin eingedrungen waren, um einige Personen wegen Terroraktivitäten festzunehmen. Die Grenzpolizisten wurden dabei massiv beschossen und hätten das Feuer der Angreifer erwidert. Auf israelischer Seite soll es keine Verletzten gegeben haben.
rnd.de, spiegel.de, deutschlandfunk.de

Explosion im Libanon tötet mindestens 20 Menschen: Laut Rotem Kreuz Libanon sind im Norden des Landes am Sonntagmorgen mindestens 20 Menschen durch eine Explosion ums Leben gekommen. 79 weitere wurden verletzt. Die Ursache bleibt zunächst unklar. Bereits vor gut einem Jahr waren durch eine gewaltige Explosion im Hafen von Beirut mehr als 190 Menschen getötet und 6000 verletzt worden. Durch die Explosion im Hafen wurde die Lage des Landes, das die schwerste Wirtschaftskrise seiner Geschichte durchlebt, noch verstärkt.
tagesspiegel.de, zeit.de, welt.de

Völkermord: Sudan liefert Ex-Präsident al-Baschir an Strafgerichtshof in Den Haag aus tagesspiegel.de
Erfolg für Ruandas Eingreiftruppe in Mosambik: Hafenstadt Mocímboa da Praia zurückerobert taz.de
Ehemaliger Präsident Südafrikas: Korruptionsverfahren gegen Jacob Zuma auf 9. September verschoben spiegel.de
Mahnung an den Taliban: NATO warnt vor internationalem Terrorismus deutschlandfunk.de
„Innovative Wege“: Bundeswehr wirbt in Pop-Up-Lounge in Erfurts Innenstadt um Personal mdr.de

ZAHL DER WOCHE

Im Projekt für eine freiwillige Heimatschutztruppe bricht rund jeder vierte Rekrut die Ausbildung vorzeitig ab. 298 Freiwillige begannen am 6. April ihre Ausbildung, 71 davon haben die Truppe bereits wieder verlassen.
spiegel.de

HINTERGRUND

Proteste in Kuba: Mitte Juli kam es in Kuba zu den größten Protesten seit Jahrzehnten. Tausende Menschen gingen in vielen Städten des Landes gegen politische Unterdrückung, Mangelwirtschaft und den Kurs der sozialistischen Regierung und der Kommunistischen Partei in der Corona-Krise auf die Straße. Die Proteste waren am 11. Juli zuerst aufgeflammt und hielten mehrere Tage an. Das sozialistische Regime reagierte auf diese mit Gewalt und Haftstrafen von bis zu einem Jahr, die in Schnellverfahren verhängt wurden. Dieses Verfahren wird jedoch von Menschenrechtlern als nicht rechtsstaatlich verurteilt. US-Präsident Joe Biden hatte Wirtschaftssanktionen gegen kubanische Regierungsvertreter angekündigt. Die kubanische Regierung hat mittlerweile manche Forderungen der Demonstrierenden erfüllt – dazu zählt beispielsweise die Öffnung des Wirtschaftssystems für private Unternehmen. Zudem dürfen Reisende Medikamente, Lebensmittel und Hygieneprodukte zollfrei einführen und bisherige Mengenbegrenzungen wurden aufgehoben. Diese wurde Anfang August eingeführt. Für den zentralistisch organisierten Inselstaat sind landesweite Demonstrationen ungewöhnlich. In der Vergangenheit wurden Versammlungen von Oppositionellen weitestgehend unterbunden.
bpb.de

Tigray-Konflikt breitet sich immer weiter aus: In Tigray, einer Region im Norden Äthiopiens, kämpfen Regierungstruppen gegen tigrische Streitkräfte. Premierminister Abiy Ahmed gilt als erbitterter Gegner der dort regierenden Volksbefreiungsfront Tigrays (TPLF), die bis zu seinem Amtsantritt 2018 die Politik Äthiopiens dominierten. Als Abiy an die Macht kam, schloss er die TPLF aus der Koalition aus und versprach demokratische Reformen. Die Kämpfe begannen, als Abiy im November 2020 eine Offensive gegen die tigrischen Truppen anordnete. Er warf ihnen vor, einen Militärstützpunkt der äthiopischen Armee in der Region angegriffen zu haben. Zunächst wirkte es, als würde es der äthiopischen Armee gelingen, die TPLF zu besiegen. Diese eroberte jedoch im Juni 2021 die Regionalhauptstadt Mekele zurück und Abiy erklärte am 28. Juni eine Waffenruhe. Die Kämpfe haben dennoch auf die benachbarten Regionen Afar und Amhara übergegriffen. Durch den Konflikt wurde eine schwere humanitäre Krise ausgelöst, durch die nach UN-Angaben tausende Menschen getötet wurden und über fünf Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Im Moment droht der Konflikt weiter zu eskalieren. Die Oromo-Befreiungsfront, eine Rebellengruppe aus dem Süden des Landes, hat eine Allianz mit der TPLF angekündigt. Gemeinsam wollen beide Gruppen gegen die Zentralregierung kämpfen. Gleichzeitig rief Premier Abiy alle Äthiopier auf, sich dem Kampf gegen die TPLF anzuschließen.
dw.com

Der Einfluss des Westens auf Afghanistan: Deutsche Diplomaten und der Bundesnachrichtendienst (BND) unterhalten gute Kontakte zu den Taliban. Die Verhandlungen in Doha zwischen ihnen und den Vertretern des zivilen Afghanistan über eine Machtteilung hatten sie deshalb eng begleitet. Noch vor wenigen Wochen hatten die deutschen Diplomaten Hoffnungen. Damals hieß es, dass den Taliban drei Ziele wichtig seien: Die Aufhebung von UN-Sanktionen und die Streichung von der UN-Terrorliste, internationale Anerkennung und die milliardenschweren Hilfszahlungen aus dem Ausland, die einen Großteil der Staatsausgaben ausmachen. Den Taliban gehe es in erster Linie darum, ein Emirat in Afghanistan zu errichten, in dem die Schariah so streng wie möglich umgesetzt werde.
tagesspiegel.de

ZITAT

„Es gibt auch nichts zu beschönigen. Wir, alle Bundesregierungen, die Nachrichtendienste, die internationale Gemeinschaft – wir haben die Lage falsch eingeschätzt.“
Außenminister Heiko Maas zeigt sich nach der Machtübernahme des Talibans in Afghanistan selbstkritisch.
tagesschau.de

SICHER?

Metallica spenden für deutsche Flutopfer: Die Heavy-Metal-Band Metallica veröffentlicht eine neue Version ihres Klassikers „Enter Sandman“ und hat angekündigt, dass alle Erlöse an die Opfer der Hochwasserkatastrophe gespendet werden sollen. Die neue Edition soll am 20. August auf CD und Vinyl erscheinen. Metallica spendet seit 2017 mit ihrer „All Within My Hands“-Foundation für wohltätige Zwecke.
bild.de

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