KW 34: Bundeswehr warnt vor IS-Selbstmordattentätern in Kabul, Bundeswehr an Feuergefecht am Flughafen Kabul beteiligt, Israel greift nach Brandballons Hamas-Ziele in Gaza an

NACHRICHTEN

Bundeswehr warnt vor IS-Selbstmordattentätern in Kabul: Die Lage in Kabul bleibt weiterhin hochgefährlich. Eberhard Zorn, der Generalinspekteur der Bundeswehr, äußerte Befürchtungen, dass Attentäter sich unter die Menge am Flughafen mischen könnten. Man habe Signale aus amerikanischen Quellen, aber auch eigene Erkenntnisse, dass zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter der Terrororganisation Islamischer Staat „in die Stadt einsickern“, sagte Zorn. Man habe von den Amerikanern schon in der letzten Woche Hinweise darauf bekommen. Am Sonntag hatte die US-Regierung zum ersten Mal öffentlich Sorgen vor einem IS-Anschlag am Flughafen oder in der Umgebung geäußert. Die Bedrohung sei real, sie sei akut und anhaltend, sagte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, im Sender CNN. Man nehme die Warnungen „absolut todernst“.
spiegel.de, deutschlandfunk.de, rnd.de

Bundeswehr an Feuergefecht am Flughafen Kabul beteiligt: Eine afghanische Sicherheitskraft ist am Flughafen in Kabul bei einem Gefecht ums Leben gekommen. Neben den afghanischen Kräften waren auch Soldaten der US-Armee und der Bundeswehr involviert. Am Montagmorgen um 4.13 Uhr Ortszeit ereignete sich der Vorfall am Nordtor des Flughafens, wie die Bundeswehr auf Twitter mitteilte. Bei dem Vorfall wurden drei weitere Afghanen verletzt. Sie und der Getötete gehörten bis zur Machtübernahme der Taliban zur inzwischen aufgelösten afghanischen Armee und waren „im Rahmen der multinationalen Operation in die Absicherung des Flughafens“ eingebunden, wie ein Bundeswehr-Sprecher sagte. Man wisse nicht, wer die Angreifer seien und um wie viele Personen es sich gehandelt habe.
sueddeutsche.de, zeit.de, tagesspiegel.de

Israel greift nach Brandballons Hamas-Ziele in Gaza an: Die israelische Armee bezeichnete das als Reaktion auf so genannte Brandballons, die am Montag aus dem Palästinensergebiet am Mittelmeer nach Israel geschickt worden waren, sowie auf Beschuss mit Maschinengewehren durch die Hamas. Demnach griff die Luftwaffe einen Ort zur Herstellung von Waffen, Eingänge zu zwei „Terrortunneln“ und einen unterirdischen Raketenabschussort an. Immer wieder lassen militante Palästinenser Ballons mit Spreng- und Brandsätzen aus dem Gazastreifen nach Israel fliegen. Deshalb kommt es im Süden Israels oft zu Bränden. Nach Konfrontationen am Gaza-Grenzzaun am Samstag hatte die israelische Luftwaffe schon mehrere Stellungen der Hamas im Gazastreifen angegriffen. Nach offiziellen Angaben befinden sich nach den jüngsten Auseinandersetzungen zwei Palästinenser im Alter von 13 und 14 Jahren und ein israelischer Grenzpolizist in kritischem Zustand.
zeit.de, spiegel.de

Polen baut Zaun an Grenze zu Belarus wegen illegalen Grenzübertritten: Seit Wochen hindert Belarus Migranten nicht daran, die Grenze zur Europäischen Union zu überschreiten. Deswegen hat nun auch Polen beschlossen, einen Grenzzaun zu bauen. Der „neue, solide Zaun“ solle 2,50 Meter hoch werden, schrieb Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak auf Twitter. Blaszczak hatte schon in der letzten Woche eine Verstärkung der Sicherheitskräfte an der Grenze bekannt gemacht. Zurzeit sind an der 418 Kilometer langen Grenze zu Belarus 900 Soldaten im Einsatz. Litauen hatte bereits vor kurzem den Bau eines Zaunes an seiner Grenze zu Belarus beschlossen. Der belarusische Machthaber Alexander Lukaschenko hatte Ende Mai angekündigt, dass Migranten nicht mehr an der Weiterreise in die EU gehindert würden. Seither hat vor allem Litauen mit einem Andrang von Migranten aus dem Nahen Osten zu kämpfen, zuletzt nahm zudem auch der Druck auf Polen zu. Zusammen mit den baltischen Staaten fordert Polen auch, die UN einzuschalten.
tagesschau.de, welt.de

Äthiopien sperrt scheinbar Zivilisten und Kinder aus Tigray in Lager: Menschenrechtler warnen: Immer wieder seien zuletzt Angehörige der Volksgruppe der Tigrayer aus dem Norden spurlos verschwunden, heißt es. Es soll ein Lager in der zentraläthiopischen Region Oromia geben, in dem nicht nur Kämpfer aus Tigray festgehalten werden, sondern auch deren Familien. Auch Kinder sind laut Zeugen unter den Gefangenen. Unter grausamen Bedingungen leben dort mehr als 700 Menschen, sagt einer der Insassen über ein verstecktes Telefon der Nachrichtenagentur AP. Man bezeichne sie als Krebs und würde ihnen sagen, dass man sie vernichten werde, berichtet der Mann, der aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen anonym bleiben will. Aufseher hätten zudem gedroht, jeden einzelnen zu erschießen, falls irgendwer zu flüchten versuche. Ständig würden weitere Insassen ohne Gerichtsverfahren eingeliefert werden, betont der Gefangene. Seinen Angaben nach sind schon drei Personen in dem Lager gestorben, zwei von ihnen an den Folgen von Schlägen.
rnd.de

Rüstungslieferungen: Für 419 Millionen Euro gingen deutsche Rüstungsgüter nach Afghanistan zeit.de
Taliban: UN kritisieren Menschenrechtsverletzungen tagesschau.de
Afghanistan: Taliban wollen Afghanen nicht mehr ausreisen lassen sueddeutsche.de
Urteil: Kein Schutz für Wehrdienstverweigerer aus Syrien zeit.de
Millionen Menschen bedroht: Enorme Dürre im Irak und in Syrien orf.at

ZAHL DER WOCHE

In Dollar notierte Staatsanleihen im Nachbarland Pakistan, das die Übernahme der Taliban stützt, verloren am Montag 1,8 Prozent an Wert. Investoren befürchteten, dass die internationale Gemeinschaft Pakistan ächten werde, nachdem Taliban zum einen im Nachbarland Sicherheit genießen, zum anderen Pakistans Ministerpräsident Imran Khan davon sprach, die Taliban hätten „die Ketten der Sklaverei gesprengt“.
faz.net

HINTERGRUND

Die Angst der Frauen in Afghanistan: Seit der Übernahme Kabuls geben sich die Taliban in Afghanistan gemäßigt. Beobachter warnen jedoch, dass sich dies ändern könne, sobald sich die internationale Aufmerksamkeit vom Land abwendet – dann könnten die Islamisten ihre reaktionären Vorstellungen von einer muslimischen Gesellschaft radikal durchsetzen. Vor allem für die Frauen des Landes könnte sich die Situation schnell verschlechtern.  Mohammed Naeem, Polit-Sprecher der Taliban, erklärte jetzt, dass sie die Rechte von Frauen und Minderheiten achten würden, aber nur, wenn sie der Scharia entsprächen. Von 1996 bis 2001 kontrollierte der Taliban Afghanistan schon einmal weitgehend. Unter dieser Herrschaft durften Frauen nicht ohne Burka das Haus verlassen und nur in männlicher Begleitung auf die Straße. Mädchen durften zudem nicht zur Schule gehen. Für Verstöße gegen die Anordnungen drohen drakonische Strafen. So wurden Frauen in den 1990er Jahren eingesperrt, gefoltert und sogar getötet. Auspeitschungen  und Exekutionen fanden oftmals öffentlich statt. Frauenrechtlerinnen fürchten, dass sich dies nun wiederholen könne.
dw.com

Sofortige Schritte zur Bewältigung der Notlage in Afghanistan: Daniel F. Runde, Senior Vice President; William A. Schreyer Chair und Direktor, des Projekts für Wohlstand und Entwicklung schreibt in seinem Artikel über die Bewältigung der Notlage in Afghanistan: Die Vereinigten Staaten haben eine moralische Verpflichtung, ihren afghanischen Partnern zu helfen. Die Art und Weise, wie das Land seine Partner unterstützt, wird zur Kenntnis genommen und beobachtet werden. In den letzten 20 Jahren haben Tausende von Afghanen direkt mit der US-Regierung zusammengearbeitet – einschließlich des Militärs, der Nachrichtendienste, der Entwicklungshilfe und der Diplomatie – und Zehntausende weitere haben für Auftragnehmer, Zuschussempfänger der US-Regierung sowie Unterauftragnehmer und Unterzuschussempfänger gearbeitet. Die Zahl der Personen, die mit den Vereinigten Staaten zusammengearbeitet haben oder direkt von ihnen abhängig sind, dürfte bei 500.000 liegen. Die geschätzten 20.000 Personen, die sich derzeit in der Special Immigrant Visa (SIV) Pipeline befinden, sind nur die Spitze des Eisbergs. Im Laufe der Zeit werden die Vereinigten Staaten noch viel mehr Menschen helfen müssen, um ihrer moralischen Verpflichtung nachzukommen. Dies liegt im aufgeklärten Eigeninteresse der Nation in einer Zeit des Großmachtwettbewerbs. Hier sind einige unmittelbare Schritte, die der Kongress – wo es derzeit eine parteiübergreifende Unterstützung für SIV gibt – und die Regierung Biden-Harris unternehmen können, um dieses Problem anzugehen. Die Regierung Biden sollte angesichts des immensen Bedarfs, der chaotischen Situation und der unklaren Protokolle für die Identifizierung von Personen jegliche Diskriminierung von Nicht-US-Bürgern und Personen mit ständigem Aufenthaltsstatus (und deren Angehörigen) bei der Evakuierung aufgeben. Die Vereinigten Staaten sollten auch für Afghanen andere Wege als das SIV-Verfahren öffnen. Zur Bewältigung dieser potenziellen Flüchtlingskrise sollten die Vereinigten Staaten eine neue Kategorie von „humanitären Bewilligungen“ einführen, die es einer großen Zahl von Afghanen ermöglichen würde, ins Land zu kommen.
csis.org

Millionen Libanesen droht wegen Versorgungskrise schon bald Wassermangel: Das Uno-Kinderhilfswerk Unicef warnt, dass schon bald mehr als vier Millionen Menschen im krisengeplagten Land mit Wasserknappheit konfrontiert sein könnten oder den Zugang zu sauberem Trinkwasser ganz verlieren. Der Treibstoff ist schon Mangelware, jetzt droht dasselbe der Versorgung mit Wasser. Unicef-Direktorin Henrietta Fore forderte, dass das Land umgehend Maßnahmen treffen müsse. Die eilige Bildung einer neuen Regierung mit klaren Reformzusagen sei von entscheidender Bedeutung. Die Organisation befürchtet auch eine Zunahme von Krankheiten infolge von mangelnder Hygiene durch Wasserknappheit. Schon vor einem Monat hatte das Uno-Kinderhilfswerk Wasserknappheit für einen Großteil der rund sechs Millionen Einwohner des Libanon im Sommer prognostiziert. Seither habe sich die Situation nicht gebessert. Regelmäßige Stromausfälle und steigende Kosten für Treibstoffe beeinträchtigen die Wasserförderung im Land massiv. Seit Monaten leidet Libanon unter der schlimmsten Wirtschaftskrise seiner Geschichte, die zu einem dramatischen Versorgungsmangel geführt hat. Seit Tagen sind im Land die Tankstellen geschlossen, weil es an Treibstoff fehlt. Die meisten Libanesen müssen jeden Tag stundenlang ohne Strom auskommen. Auch Kliniken sind von dem Mangel betroffen, zudem fehlt es in Apotheken an Medikamenten. Außerdem ist das Land politisch gelähmt. Nach der tödlichen Explosion im Hafen von Beirut, vor einem Jahr, trat die Regierung zurück und ist seither nur noch geschäftsführend im Amt.
nzz.ch

ZITAT

„Wenn diese Mission zu Ende ist, dann werde ich für mich selbst sehr genau überlegen, welche Verantwortung ich getragen habe, welcher Verantwortung ich gerecht geworden bin, wo vielleicht auch nicht – und welche Schlüsse ich persönlich daraus ziehen muss.“
sagte die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer.
spiegel.de

SICHER?

14-Jährige umrundet Großbritannien allein mit dem Boot: Die 14-jährige Katie McCabe hat allein Großbritannien umsegelt. Im Juni war sie mit ihrem Boot „Falanda“ im südwestenglischen Exmouth aufgebrochen, am Samstag beendete sie ihre Rundreise, wie der Sender BBC am Sonntag berichtete. Nun hofft sie darauf, als jüngste Person diese Tour allein gemacht und damit einen Rekord gebrochen zu haben. Noch ist jedoch unklar, ob dies anerkannt wird. Den Rekord hält bisher der Brite Timothy Long, der Großbritannien im vergangenen Jahr im Alter von 15 Jahren umsegelt hatte. Die 14-jährige Katie McCabe, die mit ihrem Abenteuer auch auf die Verschmutzung der Meere aufmerksam machen will, sammelte über eine Fundraising-Website mehr als 10000-Pfund an Spenden für gemeinnützige Organisationen ein.
spiegel.de

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